Koordinierte Varroabehandlung

Die Bienenzüchtervereine Basel, Arlesheim und Dorneck haben im Jahr 2014 gemeinsam beschlossen, in ihrem Vereinsgebiet eine koordinierte Varroabehandlung der Bienenvölker durchzuführen. Das Ziel ist, mit den zurzeit bestens bewährten Methoden zeitlich koordiniert eine signifikante Verminderung der Varroaschäden zu erreichen. Im 2015 hat sich auch der Bienenzüchterverein Laufental als vierter Verein der koordinierten Varroabehandlung angeschlossen.


Koordinierte Varroa-Behandlung 2017/18

2017 wurde in der NW-Schweiz zum vierten Mal die koordinierte Varroabehandlung durchgeführt. Einbezogen waren rund 450 Imker/innen in 4 Vereinen (Basel, Arlesheim, Dorneck und Laufental) auf einer Fläche von ca. 290 km2, verteilt auf die drei Kantone BS, BL und SO. Das Varroa-Konzept des Bienengesundheitsdienstes diente als Grundlage für die Behandlungsstrategie. Zum Koordinationsteam gehören Vertreter der vier Vereine unter der Leitung des Autors.


In drei Informationsblättern wurden die erforderlichen Behandlungsschritte beschrieben und die Kalenderdaten der Ameisensäurebehandlung (22. – 25.7 und 26. – 29.8.) bekanntgegeben. Zudem wurden die wünschenswerten Messdaten des Milbenfalls vor, während und nach erfolgter Behandlung beschrieben. Drei Rückmeldeformulare erlaubten die Rückmeldung der Milbenfall- und Völkerverlustdaten per e-mail oder Post. Auf alle elektronischen Rückmeldungen wurde in Form von Kurzkommentar und eventuellen Ratschlägen geantwortet.


RESULTATE
Von 42 Bienenständen wurden Rückmeldungen erstattet. Dies umfasst 448 Bienenvölker. Der grösste Teil der Rückmeldungen betrifft Bienenstände im Bezirk Arlesheim. Die Rückmeldungen erfolgten in drei Raten  (14.8.2017, 25.9.2017 und 1.4.2018). Nur von 20 Bienenständen liegt ein vollständiges Protokoll mit allen drei Rückmeldungen vor. Trotzdem können aus den vorhandenen Daten gewisse Rückschlüsse gezogen werden, welche allerdings bedingt durch die geographische Verteilung der Rückmeldungen zur Hauptsache den Bezirk Arlesheim betreffen.


Mit wenigen Ausnahmen wurde im Sommer/Herbst die Ameisensäure Langzeitbehandlung angewandt. Vor Beginn der ersten Behandlung im Juli war der natürliche Milbenfall vergleichsweise gering bis mässig. Nur an 6 von 27 Bienenstandorten wurde ein natürlicher Milbenfall von über 20 Milben/Tag gemessen.


Der geschätzte Wirkungsgrad der ersten AS-Behandlung war mit wenigen Ausnahmen hoch. Dies ist den günstigen Witterungsverhältnissen zuzuschreiben: die Tages-Maximaltemperaturen stiegen während der Behandlung von 20 auf 30 Grad C.  Der gemessene totale Milbenfall als Folge der Behandlung betrug auf 19 Standorten das 20- bis 150-fache des täglichen Milbenfalls vor Beginn der Behandlung. Auf nur 4 Standorten war dieses Verhältnis geringer als 20, d.h. man hätte hier aufgrund des Milbenfalls vor Beginn der Behandlung deutlich höhere Fallzahlen während der Behandlung erwarten müssen.


Die Nachkontrolle des täglichen Milbenfalls drei Wochen nach Beginn der 1. Behandlung zeigte in einigen Fällen einen raschen Wiederanstieg der Varroapopulation, sodass die zweite Behandlung fallweise zeitlich vorgezogen werden musste, um das Überschreiten der Schadenschwelle zu verhindern. Dies wurde im Falle einzelner Völker auf 8 Bienenständen getan, mit dem Ziel, nach der zweiten Behandlung falls nötig noch eine dritte nachschieben zu können, bevor die Herbsttemperaturen fallen. Diese Massnahme erwies sich als sehr erfolgreich.


Vor Beginn der  zweiten AS-Behandlung Ende August waren die natürlichen täglichen Milbenfalldaten deutlich höher. Auf 15 von 27 Standorten wurden natürliche Milbenfalldaten von über 20/Tag gemessen.  


Der geschätzte Wirkungsgrad der zweiten AS-Behandlung war im Durchschnitt unbefriedigend: In 14 von 26 Standorten wurden durch die Behandlung weniger als die 25-fache Menge Milben getötet im Vergleich mit dem täglichen Milbenfall vor Beginn der Behandlung. Hier hätte man aufgrund der vor der Behandlung gemessenen Milbenfalldaten höhere Fallzahlen während der Behandlung erwarten müssen. Die Ursache für dieses unbefriedigende Resultat war die ungünstige Witterung: Zu Beginn der Behandlung herrschten Maximal-Tagestemperaturen von 30 Grad, und am 31.8. verursachte eine Kaltfront ein Absinken der maxiamlen Tagestemperatur auf 20 – 25 Grad.


Ein Monat nach Beginn der zweiten Ameisensäurebehandlung (Ende September)  wurde in 50% der gemeldeten Standorte immer noch Völker mit sehr hohen täglichen Milbenfallzahlen von 10 bis 50 gemeldet. Für diese Völker wurde eine dritte Ameisensäurebehandlung empfohlen, was in den meisten Fällen (wo Volkstärke noch intakt war) erfolgreich war. 

VÖLKERVERLUSTE BIS MÄRZ 2018
Sämtliche Rückmeldungen bestätigen, dass die Winterbehandlung mit Oxalsäure während der Monate November und Dezember im brutfreien Stadium durchgeführt worden ist.


Von 448 gemeldeten Völkern (Stichtag 1.7.2017) sind 54 (12%) eingegangen. Davon sind mindestens 18  wegen Weiselproblemen verloren gegangen. Die Varroa-bedingten Verluste würden sich demnach auf ca. 36 Völker (8%) belaufen.


Von den 42 Bienenständen, von denen Rückmeldungen erhalten wurden, haben 11, also etwa ¼ bedeutende Verluste von 20 % und mehr erlitten.  


19 Völker (4%) wurden im März als schwach eingestuft. Wie viele davon während der laufenden Saison zu leistungsfähigen Wirtschaftsvölkern werden, ist  nicht bekannt. Unter der Annahme, dass die Hälfte aller stark geschwächten Völker als Varroa-bedingte Verluste gezählt werden, kann der Varroa-Verlust gesamthaft auf etwa 10% geschätzt werden. Diese Verlustrate ist vergleichbar mit jener der Vorjahre.


FAZIT
Die Varroa-bedingten Völkerverluste sind immer noch bedeutend und betriebswirtschaftlich zu hoch.
Mit der uns heute zur Verfügung stehenden Behandlungsstrategie gegen Varroa Parasitose sind wir stark gefordert. Erfolgreiche Behandlung ist von den folgenden Massnahmen kritisch abhängig:

  1. Überwachung des Varroabefalls während der Trachtperiode (Mai bis Juli) mittels Auszählen des natürlichen Totenfalls, Puderzuckermethode oder Drohnenbrut-Kontrolle.
  2. Bekämpfung der Varroa während der Trachtperiode mittels Drohnenschnitt, Jungvolkbildung  und im Extremfall Notbehandlung.
  3. Früher Beginn der Sommerbehandlung mit Ameisensäure nach dem Abräumen.
  4. Messung des natürlichen Milbenfalls vor und drei Wochen nach Beginn  der ersten Behandlung. Bei hohem Varroadruck die zweite Ameisensäurebehandlung zeitlich vorziehen, um Schadenschwelle zu vermeiden und wenn notwendig eine dritte Ameisensäurebehandlung durchführen, bevor die Tagestemperaturen zu tief fallen.
  5. Messung des natürlichen Milbenfalls drei Wochen nach Beginn  der zweiten Behandlung, um die Entmilbung zu kontrollieren. Bei nicht zufriedenstellenden Resultaten eine dritte Behandlung in Betracht ziehen.

Rückblickend stellen wir fest, dass die Anzahl der Rückmeldungen über die letzten vier Jahre zurückgefallen ist. Andererseits hat die Qualität der Kommunikation zugenommen. Aus jeder Rückmeldung hat sich ein Meinungsaustausch über eventuelle weitere Massnahmen  ergeben. In manchen Fällen führte dies zu einer Anpassung der Behandlungsmethode (zeitliches Vorziehen der zweiten Ameisensäurebehandlung, selektive dritte Behandlung stark vermilbter Völker).   


Sämtliche Imker/innen, welche Rückmeldungen erstattet haben, äussern den Wunsch, dass die koordinierte Varroabehandlung auch dieses Jahr durchgeführt werde. Dieser Wunsch wird sehr gerne erfüllt.  Herzlichen Dank an alle, die geholfen haben, die Situation zu erfassen.

Dornach, den 25. April 2018
Ben Reinhardt

 

 

 

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Resultate 2016

Die Resultate von 2016 finden Sie hier.

 

 

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